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mammutjäger - economy class

Tröppeldi-tröppeldi-plopp

St.Galler Tagblatt

05. März 2005

So weit musste es ja kommen: Wenn ein Mammutjäger in die Lüfte steigt, wird er früher oder später wassern müssen. Notgedrungen, denn was ein steinzeitlicher Mordskerl sein will, kann das Fischen nicht lassen. Frische Fische sind gesund und bringen Abwechslung in den unwirtlichen Alltag. Dabei muss es nicht einmal unbedingt ein ansehnlicher Brocken von einem See-hecht sein, den man mittels blosser Hände oder im besseren Fall mittels Stechgabel aus dem trüben Tümpel gezogen hat. Mammutjäger verschmähen auch Spuckmakrelen, Sumpfstrudelkröten, Schwarzflossenungeheuer, Krakentümplerinnen oder Breitmaulfrösche nicht. Wichtig ist die Kumpelschaft, die einander übers Ufer hinweg die mickrigen Längen ihrer Fänge zurufen oder, wenns arg kommt, auch Mores lehren, wenn einer dem andern den angestammten Angelplatz streitig machen will.
Sparsam und bescheiden

An diesem Reviergerangel hat sich seit der Mittelsteinzeit nicht viel geändert. Höchstens bezüglich Angeltechnik leicht verschoben. Herr Felix, Mieter einer Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung, Sternkreiszeichen Fisch mit Aszendent Wassermann und längst gelandet vom letzten Urlaub, übt sich in der Beharrlichkeit eines Urzeitlers, um sich eines glitschigen Wassertieres zu behändigen. Unberechenbar zwar, die Viecher, ganz im Sinn nachmittelsteinzeitlichen Überlebenskampfes wilder Tiere. Gut, gibts die Migros und dort schöne Gläser mit eingelegten Rollmöpsen; tuts auch, und zum Abwaschen bleibt erst noch weniger. Umweltbewusstsein ist Herrn Felix von jeher ein Anliegen. Man erinnert sich an dessen ausschliesslichen Gebrauch von Recycling-Toilettenpapier - zu Zeiten, als er noch verehelicht war und Spaghetti liebte. Was in der Zwischenzeit dem Inhalt ewiger Schwüre abhanden gekommen ist, bleibt der Gesinnung erhalten: Sparen muss sein. Im Wellnessbad, obwohl diese Einrichtung so ihre Tücken hat, nimmt man grundsätzlich die günstige Variante. Man versucht sich mit den Stummeln eines einst bis ins Feinststoffliche reichenden Instinkts durch die Gänge und Verbotstafeln zu schleusen und landet doch irgendwann unweigerlich im Frauenklo. Und das in der Badehose, wenn überhaupt. Weil die Tasche sich nämlich mittlerweile dort aufhält, wo man mit dem Batch, der sich seinerseits in der Tasche befindet, nur über den Haupteingang und zu diesem nur mit dem Batch gelangen kann.

Wasserarme und -fontänen

Stress für einen Herrn Felix, der nicht unbedingt auffallen will und dessen kultivierter Anstand sich auf ein durchschnittliches Mass in der Evolutionsgeschichte eingependelt hat. Das Leben soll in Massen genossen werden. Zweimal pro Monat liegt ein Vergnügen drin, das er sich eigentlich nicht leisten kann: ein «6-Sterne-Restaurant». Flughunde stehen dort keine auf dem Menüplan und Mammutschenkel gibts nur zuhause in der Badewanne, wenn Herr Felix seinen Grundsätzen - wie es nur selten vorkommt - untreu wird und sich ein Bad aus dem eigenen Hahnenburgerhahnen einlaufen lässt. Warm. Prickelnd. Augen zu und abtauchen. Gleich fühlt man sich in die Tiefen der noch unerforschten Weltmeere versetzt, in den Schmelztiegel der Elemente. Herr Felix wird zum Eroberer, er kämpft gegen die Widrigkeiten der Urkräfte, auch wenn das nur der Badeschaum ist, der sich hartnäckig in den Ohrmuscheln festgesetzt hat. Erich Hufschmid und Erich Furrer führen in rasantem Tempo durch ihre mammutwilde Wasserrevue, sie lassen Sketches spritzen und wässrig süffige Anekdoten sprudeln - und sie machen lachen. Die synchron gesprochenen Wortspielereien, die sich vom Adagio ins Crescendo bis ins Morendo steigern, sind Glanzlichter auf spiegelnder Wasseroberfläche. Die musikalischen Keyboard-Einsätze Erich Hufschmids spannen einen klangvollen Regenbogen darüber. Es tröpfelt und plibbediploppelt und gluckst und wird dann wieder andächtig, wenn Hufschmid/Furrer eines ihrer Lieder wie eine Brücke zum nächsten Wasserbild bauen: «Tausend Jahre Trockenzeit» als Metapher für vertocknete Lach(s)kehlen - und anderes Getier.


Ohne Wasser geht rein gar nichts
(Thurgaur Zeitung) Samstag 18.März 06


Mit ihrem neuesten Theaterprogramm in Sachen Evolution, «Mammutjäger über Bord», begeistert die Netzwerkbühne aus St. Gallen bis heute Samstagabend im Naturmuseum./ Christof Lampart

Frauenfeld - Zuerst kamen sie von den Bäumen herunter, dann erhoben sie sich in die Lüfte und nun erforschen also die beiden Mammutjäger Erich Furrer und Erich Hufschmid in «Mammutjäger über Bord» die Evolutionsgeschichte zu Wasser. Und dabei geben sie zu keiner Zeit einen «verwässerten Aufguss» der beiden ersten Teile «Mammutjäger in der S-Bahn» und «Mammutjäger Economy Class» zum Besten, sondern laufen so zur Höchstform auf, sodass mit gutem Recht behauptet werden kann, dass die «Mammutjäger» noch nie so gut waren wie jetzt, wo sie unter Wasser agieren. Diese Behauptung unterstrichen auch die Standing Ovations, die das Duo nach der Frauenfelder Premiere vom Mittwochabend von über 30 Zuschauern entgegennehmen durfte.
Woran mag das liegen? Gewiss, die vorigen Programme waren schon sehenswert, doch scheint dem Menschen das Wasser irgendwie näher zu sein als das Springen von Baum zu Baum oder das Segeln durch die Lüfte. Schliesslich entsteht und besteht alles aus Wasser, der Grundvoraussetzung sämtlichen Lebens. So gibt es also sehr viele Anknüpfungspunkte, und Furrer und Hufschmid nutzen sie hemmungslos aus, um ihren Protagonisten, Herr Felix, im Tagtraum die verschiedensten Entwicklungsstadien unter Wasser durchleben zu lassen.
Zwischen Sein und Traum
Schon der Auftakt ist faszinierend und frappierend zugleich. In einem gut zehnminütigen Sychronschnellsprechdurchlauf wird die Reise vom ersten fallenden Regentropfen bis zurück ins Muttermeer geschildert: der unendliche Kreislauf des Wassers in allen Variationen. Schon da geht einem auf, dass Wasser mehr ist als Trägermedium eines Espressos. Auch in der Folge «flutscht» Herr Felix immer wieder geschmeidig zwischen Sein und Traum, zwischen Erzähl- und Reflexionsebene hin und her und «versinkt» dabei immer tiefer in die Evolutionsgeschichte. Vom Wasserhahn zum Quastenflosser, vom Haifisch zur Kläranlage ...
Erich Furrer und Erich Hufschmid beherrschen das doppelbödige Spiel der dramaturgischen Verschmelzung so gekonnt, dass es für die Zuhörerschaft nicht immer einfach ist, auf Anhieb herauszufinden, ob Herr Felix nun gerade träumt oder agiert. Aber das macht überhaupt nichts aus, sondern bereichert den Theaterabend.
Weniger Musik
Im Vergleich zu den früheren Produktionen fällt auf, dass mehr gesprochen und weniger musiziert und gesungen wird. Zwar steht auch dieses Mal das Keyboard parat, doch untermalt Hufschmid die Aktionen zumeist nur mit einigen Akkorden. Die paar witzigen Lieder sind mehr schmückendes Beiwerk denn Mittelpunkt des Programms.

Witzige Einstimmung
Wer will, kann «Mammutjäger über Bord» der Netzwerkbühne St. Gallen noch heute Samstagabend erleben. Es lohnt sich, schon gegen 19.40 Uhr da zu sein, da Furrer und Hufschmid vor dem eigentlichen Programm eine viertelstündige, witzige Einstimmung zum Besten geben

Der dritte Streich der Netzwerkbühne: «Mammutjäger über Bord» im Naturmuseum

Nun denn, auf zu neuen Ufern, auch ein Mammutjäger lebt nicht vom Brot allein, geschweige denn von wilden Tieren. Mammutjäger gehen für Wasser über Bord.

von Brigitte Schmid-Gugler

Herr Felix geht baden

St.Galler Tagblatt

01. März 2005
Premiere des dritten Teils der «Mammutjäger» morgen im Naturmuseum

«Mammutjäger über Bord» ist der Titel des dritten Stücks um Herrn Felix und seine Geschichten von Alltag und der Evolutionstheorie. Erich Furrer und Erich Hufschmid gehen ab morgen mit dem «Mammutjäger» ins Wasser.

Andreas Stock

Herr Felix hat wieder festen Boden unter den Füssen. Oder zumindest Land in Sicht. Den Protagonisten, den Erich Hufschmid und Erich Furrer zuerst auf Schienen begleiteten («Mammutjäger in der S-Bahn») und dann in ein Flugzeug («Mammutjäger Economy Class») gesetzt haben, lassen sie also jetzt ins nasse Element springen. Wobei mit dem Titel «Mammutjäger über Bord» durchaus offen bleibt, ob Herr Felix freiwillig baden geht oder eben nicht.

Über 70-mal hat die «Netzwerkbühne» ihren ersten Teil der «Mammutjäger» bisher aufgeführt, fast 50 Aufführungen gab es von «Economy Class» in Kombination mit dem ersten Teil. Der Durchschnittsbürger Herr Felix ist den beiden Schauspielern und Autoren des Stücks dabei ans Herz gewachsen. Motivation und Ideen hatten sie genug, seine Geschichte und seine Sicht der Welt weiterzuverfolgen: «Herr Felix ist eigentlich ein glücklicher Mensch, obwohl er sich ständig hintersinnt», sagt Erich Furrer. Und gerade der banale Alltag bietet Herr Felix reichlich Anlass zum Nachdenken.

Von der Luft ins Wasser

Von der Luft ins Wasser - mit dem Wechsel des Elements verbindet die Netzwerkbühne einen Wechsel der Stimmung: «Im Wasser kann man sich nicht mehr so schnell bewegen, wie in der Luft.» Furrer und Hufschmid wollen sich vom Wasser auch mal etwas treiben lassen, um dann wieder umso mehr in den Alltag von Herrn Felix und seine Gedankengänge einzutauchen. Während der an seinem freien Tag ins Thermalbad und zum Angeln geht, reisen die «Mammutjäger» evolutionsthematisch nach den Flughunden weiter zurück in der Erdgeschichte: bis zur Ursuppe.

Keine Vorkenntnisse nötig

Wer bereits einen der zwei «Mammutjäger»-Stücke erlebt hat, darf erneut eine unterhaltsame, witzige Collage von assoziativen Sketches erwarten. Wer Herrn Felix noch nicht begegnet ist, braucht keine Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser zu haben, wie die beiden Erichs beteuern - auch ohne Vorkenntnisse sei der dritte Teil fürs Publikum verständlich. Trotzdem gibt es am 19. März eine Gelegenheit, die «Economy Class» (22 Uhr) nachzuholen. Die nun erreichte Trilogie bedeutet im übrigen nicht, dass Herr Felix danach untertauchen wird, versichern die Schauspieler - «I'll be back», würde Schwarzenegger sagen.