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Shakespeare im Temporausch

St.Galler Tagblatt

10. Febr. 2006

Erich Furrer spielt den «Sommernachtstraum» als irrwitziges Narrenstück im «Keller zur Rose»

Mit «Puck & Co. – ein Sommernachtstraum» feierte Erich Furrers «Operation Shakespeare» nach «Romeo und Julia» seine zweite Premiere, mit Kuska Cáceres als Puck.

philippe reichen

So hat man den «Sommernachtstraum» bestimmt noch nie gesehen: Ein schwarzer Plastikteppich auf einem Kellerboden – die Bühne – zwei Schauspieler und ein verloren da liegender Eselskopf. Das war alles, was sich Erich Furrer an Bühnenraum, Schauspielern und Requisiten wünschte. Viel Freiraum, ja Leere, die nach Inhalt lechzen. Shakespeares «Ein Sommernachtstraum», so die kühne Idee von Erich Furrer, sollte man auch in diesem Rahmen spielen können.
Wechsel im Minutentakt

Das ganze Epos auf zwei Schultern laden? Dieses Vorhaben hat Konsequenzen. Die erste: Viel Erzählarbeit. Die Rahmenhandlung musste, wenn schon nicht gespielt, gestrafft in der Erzählung angeboten werden. Darum rezitieren Erich Furrer und Kuska Cáceres gleich zu Beginn und unisono die athenischen Szenen. Erzählen von der nahenden Heirat zwischen Herzog Theseus und der Amazonen-Königin Hippolyta. Hier hält man sich noch an Shakespeare, doch nicht mehr lange. Schon im Dialog zwischen dem Liebespaar Hermia und Lysander lässt man Shakespeare beiseite und schwenkt auf den Text von Furrer um. Die Liebenden beschliessen die Flucht und greifen zur Detailklärung zum Dialekt: «Häsch Thermounderwäsch, d ID und dä Uswiis däbi?»

Das Tempo, mit dem sich Kuska Cáceres und Erich Furrer durch das Stück sprechen und spielen, ist gewaltig. Die Einzelszenen werden zu Nummern eines Komödienabends. Die Figuren wechseln im Minutentakt. Eine weitere Konsequenz, die Schauspieler wie Zuschauer fordert: Die Akteure bleiben dieselben, ebenso ihre Kleidung, aber es ändern die Rollen. Hier nun gelingt der grosse schauspielerische Wurf, den das Zweipersonenstück verlangt: Erich Furrer und Kuska Cáceres zeichnen jede ihrer Figuren brillant, mit allem was Sprache und Körper hergeben.

Die Dialogszenen zwischen dem verbissenen Oberon (Erich Furrer) und dem sich lasziv inszenierenden Elfen Puck (Kuska Cáceres) sind Höhepunkte dieser zweiten Etappe der «Operation Shakespeare». Wie auch die Handwerker – aus fünf werden zwei –, welche Pyramus und Thisbe als Festspiel inszenieren.
Komödie oder Kabarett?

«Operation Shakespeare» meint Operation mit Shakespeare. Zwar folgt Furrer dem Handlungsstrang des Originals, aber verfremdet das Stück nach seinem Gusto. Dem konservativen Shakespeare-Liebhaber dürfte «Puck & Co.» eher sauer aufstossen. Doch die Bearbeitung von originärem Shakespeare-Material, griechischer Mythologie und Furrers dichterischen Erweiterungen mit stark helvetischer Färbung reicht zur vergnüglichen Komödie – oder ist es doch eher Kabarett? Die Art ist nicht neu. Wer sich daran erinnert: Das Schweizer Kabarettduo «Beatocello» machte Ähnliches mit Friedrich Schillers «Wilhelm Tell».

Nach einer turbulenten Stunde läuten getreu nach Shakespeare die Hochzeitsglocken. Und das Publikum dankt mit lang anhaltendem Applaus.