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Frei nach SHAKESPEARS «ROMEO & JULIA»...
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netzwerkbühne

Rotziges Liebesgeflüster

St.Galler Tagblatt

7. Jan. 05

Ohne diese Liebe würde der Welt etwas fehlen: Die Familien Capulet und Montague liegen im Streit und dulden keine Verbindung zwischen Romeo und Julia - der Rest ist bekannt. Seit mehr als vierhundert Jahren beflügelt das Vorzeige-Liebespaar die Fantasien junger Romantiker und alter Theaterklassiker: von der vierstündigen asketischen Zelebration bis hin zum poppigen Musical.

Theater im Kopf

In Erich Furrers moderner Inszenierung fliesst kein roter Theatersaft. «Theater geschieht im Kopf» - so seine Devise. Selbst die Küsse bleiben der Fantasie des Zuschauers überlassen. Trotzdem geht es knallig und heissblütig zu und her: Wenn gestorben wird, dann als eindrückliche Pantomime; wenn geliebt wird, dann mit viel Gestöhne. Der 40-jährige Theatermacher verzichtet auch auf Bühnenbild, Kostüme und Requisiten. Dafür vertraut er ganz auf das energiegeladene Spiel seiner zwei Darsteller Luc Spori und Kuska Caceres. Die beiden Berner beleben den leeren Bühnenraum innert Sekunden mit Shakespeares Charakteren. Blitzschnell tauschen sie Rollen und hangeln sich von einer plakativen Schl üsselszene zur nächsten.

Geschlechtertausch

Als Romeo seine Geliebte an der Party zum ersten Mal trifft, bleibt ihm die Spucke weg. Joe Cocker raunt stellvertretend aus den Boxen: «You are so beautiful...» Julia tanzt zu «Labamba» und reisst das Publikum mit südländischem Tempo mit, dass die Kirche zur Festhalle wird. Plötzlich wird ihr klar, «warum Amor Flügel hat und nicht so einen fetten Arsch wie die Amme, denn die Liebe beflügelt ja bekanntlich». Mit einfachsten Mitteln wird die Balkonszene plastisch: Da stehen Romeo und Julia Rücken an Rücken; er starrt zur Balustrade hinauf, sie senkt den Blick. Wie schon zu Shakespeares Zeiten meistert der Mann auch Frauenrollen: Spori verkörpert eine hinreissend trottelige Amme und berührt in der Rolle der pubertierenden Julia mit facettenreicher Mimik. Seine Spielpartnerin schlüpft hingegen mit Vorliebe in die Haut der Machos und Tyrannen. Natürlich und witzig gehen die Szenen ineinander über.

Mit leichten Füssen

Mit rhythmischem Geschick treibt Furrer die Dramaturgie voran. Er klopft den ehrwürdigen Shakespeare aus dem Busch und verpasst ihm einen rotzigen Jugendslang. Die Charaktere sind wie Comicfiguren überzeichnet. Das Böse stolpert mit leichten Füssen über die Bühne. Als der Pater das Paar traut, erteilt er einen weisen Rat: «Süsser Honig, wenn man zu viel davon geniesst, schmeckt plötzlich bitter wie die Galle, die man mit ihm kotzt! Drum immer langsam. Liebe mit Mass, nicht zu viel und nicht zu wenig, denn wer das Mass kennt, ist ein König.»

 

Liebe bis aufs Blut als leichte Komödie: «Juliamoromeo» in der Offenen Kirche.

Einen Mann und eine Frau: mehr braucht Erich Furrer nicht, um in seiner Kurzfassung das berühmteste Liebesdrama aufleben zu lassen. Das Zweipersonenstück sprüht vor jugendlichem Übermut.

von Melissa Müller

 

Imaginäre Liebesküsse

DER BUND

2. Dez. 04

"...In dieser Version des Shakespeare-Klassikers stehen nur zwei Personen auf der Bühne: ein Mann und eine Frau. Die Rollenbesetzungen sind entsprechend abwechslungsreich und über die Geschlechtergrenzen hinausgehend. Mal ist er Julia, mal ist sie der alte Capulet, dann spielt er Bruder Lorenzo und sie die Julia. Sie und er, das sind Kuska Caceres und Luc Spori. Unter der Regie von Erich Furrer spielen, tanzen, singen und erzählen die beiden Darstellenden die dramatische Liebesgeschichte...Zu den Highlights des Abends zählen ausserdem Sporis phänomenales Hin- und Herswitchen zwischen mehreren Rollen und die filmischen Elemente der Inszenierung. Da stehen sich Romeo und Julia am Fest der Montagues gegenüber, dann heisst es «Nahaufnahme!», und dann . . . kommt ein Cut. Den Liebeskuss darf man sich in der Phantasie selber ausmalen."

von (ler)